Karikatur auf den Sturz Napoleons und die deutschen Verhältnisse nach dem Wiener Kongress

Künstler, Ersteller / Fotograf: Paul Wolfgang Schwarz (1766 - nach 1815)
Lageort: Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, ZR 2800
Copyright: Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum
Untertitel:

Radierung, Nürnberg, 1815

Karikaturen
Ereignisdarstellungen

Napoleon (halb Mensch und halb Teufel) stürzt in das Höllenfeuer und reißt dabei verschiedene Kreaturen mit in den Abgrund. Diese werden durch von Napoleon vergebene Würden angelockt. Als Köder hat der französische Kaiser einen Lorbeerkranz und eine Krone in der Hand. Die Begriffe "Titel" und "Souverainité" spielen auf die Standeserhöhungen und Machterweiterungen an, die Herrscher als Dank für ihre Unterstützung von Napoleon erhielten.

In der widerwärtigen Gefolgschaft Napoleons befinden sich Finanzminister (mit den Säcken "Schweiß" und "Blut" über der Schulter), Gendarmerie, Mätressen, "souveräne" Menschen fressende Fürsten (auf einem Steckenpferd und mit Peitschenzepter) am Gängelband des Ministeriums, schnüffelnde Geheimpolizei (mit Hasenohren), Professoren (mit dem Gesetzbuch unter dem Arm) und die Regierungspresse, die die Ereignisse unkritisch in offiziellen Bulletins verkündet. Ein Diplomat hat eine Leiter erklommen, deren Seiten die Namen der entscheidenden Niederlagen Napoleons - die Völkerschlacht von Leipzig und die Schlacht von Waterloo - zieren. Der Diplomat ändert mit einem Federstreich die Türinschrift. Statt "Rheinischer Bund" ist nun dort "Deutscher Bund" zu lesen. Über der Inschrift befinden sich die Wappen der vier Protektoren des Bundes. Das zweite und dritte Wappen können als Embleme der beiden Vormächte des Deutschen Bundes identifiziert werden: Österreich und Preußen. Bei den anderen Wappen könnte es sich links um die drei Löwen Dänemarks (es war über das Herzogtum Holstein Mitglied des Bundes) und rechts um die drei Hirschstangen des Königreichs Württemberg handeln.

Der Sturz Napoleons hat dem "befreiten Volk" allerdings nicht viel Gutes gebracht, da auf dem Wiener Kongress 1814/15 die alte Ordnung weitgehend wiederhergestellt wurde. Das Volk hat zwar seine Fesseln verloren, sitzt aber abgemagert und mit erbärmlichem Gesichtsausdruck auf einem Strohhaufen neben dem Portal. Es ist enttäuscht, da in Wien seine nationalen und liberalen Hoffnungen nicht erfüllt worden waren.

Glaser, Hubert (Hg.): Krone und Verfassung. König Max I. Joseph und der neue Staat (Wittelsbach und Bayern, Band III/2), München/Zürich 1980.

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