Maximilian II.

Ausführliche Beschreibung der gesamten Hochzeitsfeierlichkeiten am 13. und 14. Januar 1806 in München

Lageort: Bamberg, Staatsarchiv
Copyright: Staatsarchiv Bamberg
Untertitel:

„Bamberger Zeitung“ vom 31. Januar 1806, als Zitat aus dem Pariser „Moniteur“ vom 22. Januar 1806

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„Se. Maj. der Kaiser und König, und Se. Maj. der König von Baiern, hatten die Eheverbindung des Prinzen Eugen, Vizekönig von Italien und der königl. Prinzessin Augusta Amalia von Baiern unter sich festgelegt. Die Feierlichkeiten der Heyrat dieser erlauchten Personen ging am 13. und 14. d. in München vor sich. Um 13 d. um 1 Uhr Nachmittags begaben sich die zwei kaiserl. und königl. Familien im feierlichen Zuge und von den beiden Hofstaaten begleitet, nach der großen Galerie des Palastes, welche zu diesem Ende eingerichtet worden war. Das Schiff der Galerie, welches sich im Angesichte der errichteten Thronen verbreitete, war von allen Standespersonen, welche sich gegenwärtig in München befanden, und wovon viele aus dem Baierischen und den benachbarten Staaten angekommen waren, besetzt. Ihre Majestäten nahmen Platz. Der Minister Staatssekretär des Kaiserreiches las den Ehekontrakt ab, welcher nach den vorher bestimmten Formen unterschrieben wurde, und übergab sodann die Feder Se. Maj. dem Kaiser und Ihro Maj. der Kaiserin. Darauf überreichte er den Ehekontrakt dem Minister und Staats-Sekretär der auswärt. Angelegenheiten von Baiern, welcher besagten Kontrakt Ihren Majestäten dem Könige und der Königin von Baiern vorlegte, und ihn dann zurückgab. Dieser Kontrakt wurde nach und nach und in der nämlichen Form dem Prinz Eugen, der Prinzessin Augusta, den königl. Prinzen von Baiern und Se. Durchl. dem Prinzen Murat, Großadmiral, vorgelegt und sodann von den Hrn. Talleyrand, Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Dürok, Großmarschall des Palastes, Caulincourt, Großoberstallmeister, Bessieres, Gen. Obersten der Garde, von Harville, Senator, ersterem Stallmeister der Kaiserin, als Zeugen für den Prinzen Eugen und dann von den Herren von Morawitzky, Staatsminister, von Rechberg, Großkämmerer, von Gohren, Großmarschall und v. Kerling, Großstallmeister, als Zeugen für die Prinzessin Augusta, unterschrieben. Darauf wurde der Kontrakt von dem Minister Staatssekretär des Kaiserreiches, und von dem Minister Staatssekretär der auswärtigen Angelegenheiten von Baiern kontresignirt, worauf letzterer ihn dem Minister, Staats-Sekretär des Kaiserreichs, wieder einhändigte; diese Urkunde soll in den kais. Archiven niedergelegt werden. Da die Feier der Unterzeichnung auf diese Art beendigt war, so stellten sich der Prinz Eugen und die Prinzessin Augusta Amalia von Baiern vor dem Throne hin; der Minister Staatssekretär des Kaiserreiches schritt – zu Folge der ihm durch ein kaiserl. Dekret des näml. Tages ausdrücklich gegebenen Vollmacht und statt Sr. Durchl. des Prinzen Reichserzk. Cambaceres – zur Civilhandlung der Eheverlobung. Er fragte die erlauchten Verlobten auf die gesetzliche Art und sagte: ‚Se. Maj. der Kaiser und König befehlen dass durch die oben erwähnten Formalitäten allem diesen ein Genüge geleistet werde, welches die Reichsgesetze fordern, und das Verhältnis im Staate der erlauchten Verlobten zu heiligen und um Sie diesem zufolge zu berechtigen, den Segen unserer heiligen Mutter der kathol. apostol. und röm. Kirche auf ihre Verbindung herunter zu rufen; kraft der ausdrücklichen Vollmacht, welche wir von Se. kaiserl. Maj. dazu erhalten haben, erklären wir im Namen des Gesetzes, dass Ihre kais. und königl. Hoheiten durch die Bande der Ehe mit einander verbunden sind.‘ Der Civilakt wurde sodann vom Minister Staatssekretär, den erlauchten Verlobten und Ihren Familien zur Unterzeichnung vorgelegt. Die Zeugen, welche die Ehre gehabt hatten, den Kontrakt zu unterzeichnen, unterschrieben auch diesen Akt, welcher sodann vom Minister Staatssekretär in Gegenwart Ihrer. Maj. contrasignirt wurde. Sr. Kurfürstl. Gnaden der Erzkanzler des deutschen Reichs und Primas von Deutschland, trat sodann mit seiner Klerisei ein und setzte sich auf einen Lehnstuhl den Thronen gerade gegen über. Der Prinz Eugen und die Prinzessin Augusta stellten sich vor ihm und Sr. kurf. Gnaden der Erzbischof schritten zur Einsegnung der Ringe und zur Feier des Eheverlobnisses. Ihre kais. und königl. Maj. giengen sodann eben so wie Ihre Familien in Ihre Wohnzimmer zurück; die sämmtlichen Anwesenden giengen, durchdrungen von der Hochachtung und der tiefen Rührung, welche diese hohe Ceremonie in ihren Herzen hervorgebracht hatte, hinweg.

Am folgenden Tage den 14. um 7 Uhr Abends wurde das hl. Sakrament der Ehe von Sr. kurf. Gnaden dem Erzb. Primas, in der Pallastkapelle gefeiert. Ihre. Maj der Kaiser und die Kaiserin waren von dem Oberstkämmerer, welcher die Stelle eines Groszeremonienmeisters vertrat, benachrichtigt worden, dass Ihre Maj. der König und die Königin von Baiern, sich eben so wie die Prinzessin Augusta Amalia in der Kapelle befanden; Allerhöchsteselben begaben sich auch dahin mit dem Prinzen Eugen und im feierlichen Zuge. Die Thronen waren rechts und links von dem Schiffe der Kapelle aufgestellt worden. Ihre k. und k. Majestäten waren von ihren Familien begleitet und von Ihren vorzüglichsten Offizieren umgeben. Der Prinz Eugen und die Prinzessin Augusta Amalia knieten auf Bethstühlen, an beiden Seiten des Schiffes unweit von den Thronen. Se. kurf. Gnaden der Erzb. Primas schritt sodann zur Einsegnung der Ehe, nach den Formen, welche die heilige Kirche vorschreibt. Nach der Einsegnung wurde das Te Deum angestimmt.

Ihre Majestäten kamen im nämlichen feierlichen Zuge zurück. Der Prinz Eugen gab seiner erlauchten Gemahlin die Hand und gieng zwischen dem Kaiser und der Kaiserin einher. Ihre Maj. der König und die Königin von Baiern verfügten sich in die Wohnzimmer Ihrer Maj. der Kaiserin, worauf dort Cercle und kaiserl. Tafel war. Der Residenzpalast und die Stadt waren beleuchtet; die ganze Bürgerschaft stand unter den Waffen; es ertönten Artillerie-Salven und die ganze Stadt both das Schauspiel der lebhaftesten Fröhlichkeit dar. Am 15. d. Mittags geruhten Ihre Maj. der Kaiser und die Kaiserin die Glückwünschungen ihrer Hausbeamten anzunehmen. Sie setzten sich sodann auf Ihren Thronen, die Neuverlobten in der Mitte u. die Hofbeamten Ihrer Maj. des Königs und der Königin von Baiern wurden eingelassen, um Ihre Glückwünschungen nach den gewöhnlichen Formen darzubringen. Die Damen der Kaiserin, die Minister, die Großoffiziere des Kaiserreichs, die Kronbeamten und die Hausoffiziere Ihrer Maj. des Kaisers und der Kaiserin verfügten sich sodann in die Wohnzimmer Ihrer Maj. des Königs und der Königin von Baiern, welche auf dem Throne sitzend, dieselben zur Darbringung ihrer Glückwünschungen einließen. Am nämlichen Tage waren Cercle und Ball bei Hofe. Ihre kais. kön. und kön. Maj. werden heute nebst Ihren Familien eine Vorstellung der Oper, Castor und Pollux, von Per, beiwohnen. Der Saal des königl. Theaterhauses ist prächtig verziert und alle Anstalten sind getroffen, damit dieses Schauspiel in allen Theilen der Würde der erlauchten Zuschauer entspreche.“

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