Napoleons Rückzug aus Russland, 1812

Künstler, Ersteller / Fotograf: Anton Tessaro
Lageort: Tittmoning, Heimathaus
Copyright: Augsburg, Haus der Bayerischen Geschichte
Untertitel:

Druckgrafik, Wien, um 1813

Grafiken

Am 19. Oktober 1812 musste Napoleon seiner Armee den Rückzug aus Moskau befehlen. Seine Hoffnung, dass Zar Alexander I. auf seine Friedensangebote eingehen würde, hatte sich nicht erfüllt. Angesichts des Wintereinbruchs und der katastrophalen Versorgungslage Napoleons, war dem Zaren bewusst, dass die Zeit für ihn arbeitete.

Der organisierte Rückzug nahm angesichts der sich stets verschlechternden Nahrungsmittelsituation und der eisigen Witterung mehr und mehr den Charakter einer Flucht an, in der jeder nur noch sein eigenes Leben retten wollte. Die nachdrängenden Russen nutzten die Situation taktisch geschickt, indem sie überfallartig mit Kosaken gegen die geschwächten Invasoren vorgingen. Diesen Angriffen fielen vor allem Nachzügler zum Opfer.

Die dargestellte Szene gibt einen realistischen Einblick in die Verhältnisse während des Rückzugs aus Russland. Während Napoleon mit einem Pferdeschlitten, der von einer Reitereskorte geschützt wird, nach Westen flieht, versuchen im Vordergrund einige Soldaten, die kaum Winterkleidung haben, Brennholz zu schlagen und sich an einem Feuer zu wärmen. Den teilweise arktischen Temperaturen sind ein Pferd und ein Soldat zum Opfer gefallen. Im Hintergrund tobt ein Gefecht zwischen angreifenden Kosaken (rechts) und französischer Kavallerie. Bei Napoleons Heer sind schon Auflösungserscheinungen sichtbar. Man sieht nur noch kleine Truppenverbände. Nachzügler aus verschiedenen Einheiten und Waffengattungen (Infanterie, Garde, Kürassiere und Husaren) versuchen sich in einer Gruppe durchzuschlagen.

Unter völliger Aufgabe militärischer Disziplin erreichten am 12. Dezember 1812 bei eisigen Temperaturen nur noch halb verhungerte Gestalten den Grenzfluss Njemen. Nach und nach fanden sich 50.000 Überlebende der einst ca. 500.- 600.000 Mann starken Streitmacht Napoleons in Ostpreußen ein. 100.000 Mann befanden sich in russischer Gefangenschaft, der Rest hatte sein Leben in Russland verloren. Von den ca. 35.000 bayerischen Soldaten überlebten nur 5.000 die Katastrophe. Nur 890 der mehreren tausend Gefangenen kehrten 1814 aus Russland in ihre bayerische Heimat zurück

Junkelmann, Marcus: Napoleon und Bayern, Regensburg 1985.

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