„Patriotische Empfindungen bey der Erhebung Baierns zum Königreiche“ (1806)

Künstler, Ersteller / Fotograf: Joseph Pracht (Dichter)
Lageort: München, Bayerische Staatsbibliothek, Res 4° Bavar. 2120, XIII, 31
Copyright: Bayerische Staatsbibliothek München
Untertitel:

Joseph Pracht, „Ober-Schulkommissariats Aktuar in Straubing“, Straubing 1806

Buchdruck auf Papier

Gedru-Sonstiges
Gedichte/Lieder

Die Erhebung Bayerns zum Königreich wurde auch in zahlreichen, mehr oder weniger gelungenen Gedichten gefeiert. Die Autoren gehen dabei zunächst auf die vorhergehenden Kriege ein, die die bayerischen Truppen mit Hilfe Napoleons gewonnen hätten. Zum Dank dafür, so argumentieren sie, verhalf Napoleon dem bayerischen Kurfürsten zur Königskrone, die diesem schon seit alters her eigentlich zustand. Man nimmt also die offizielle Argumentation über das Recht zur Königswürde auf.

Joseph Pracht, der als „Ober-SchulKommissariats Aktuar“ im bayerischen Staatsdienst beschäftigt war, stimmt, wie alle anderen Autoren, ein Loblied auf Kaiser Napoleon und Max I. Joseph an. Seiner Stellung entsprechend sieht er in den Friedenszeiten, die nun dank des Einsatzes der beiden herrschen, auch eine Chance für Bildung, Wissenschaft und Künste.

„Patriotische Empfindungen bey der Erhebung Baierns zum Königreiche

Der Höchste sah von seinem Thron’
Auf unsern Jammer nieder,
Und riß uns durch Napoleon
Aus RäuberKlauen wieder.

War auf der Erde je ein Held,
Der so, wie dieser, kriegte?
Er rief nur: ‚Kinder! Auf ins Feld!‘
Und kam, und sah, und siegte.

Gerettet war das BaierLand;
Doch dieß schien Ihm zu wenig;
Er hob mit seiner Helden Hand
Den Fürsten noch zum König.

[...]

Des tapfern Baierlandes Ruhm
Soll nimmermehr vergehen,
D'rum wollte Er zum Königthum
Es neuerdings erhöhen.

Kanonen donnern itzt nicht mehr,
Um Roß und Mann zu strecken,
Und offne Felder weit umher
Mit Leichen zu bedecken.

Sie künden uns nur Freuden an –
Kein Bojer Herz erbebe!
Ruft Brüder: ‚Maximilian
Der neue König lebe!‘

Wir hören zwar manch Ach und Weh,
Und sehen Thränen fliessen;
Doch Max, der Edelmüthige,
Wird sie zu trocknen wissen.

Er bleibt als weiser Mann sich gleich –
Ihn ändert keine Krone;
Sein VaterHerz ist immer weich –
Auch auf dem KönigsThrone.

Und Huld lässt in dem sanften Blick
Der Königinn sich sehen;
Sie will nur ihrer Kinder Glück,
Nur lindern ihre Wehen.

Ein gleiches Herz, ein gleicher Sinn
Wird Alles neu beleben,
Die Wissenschaften werden blüh'n,
Die Künste sich erheben.
Noch mehr wird jetzt zum Unterricht
Sich Baierns Jugend freuen:
Denn Fried und Maxens Schutz verspricht
Ein doppeltes Gedeihen.

Triumph! Geendet ist der Streit –
Frohlocket liebe Brüder!
Es lacht uns eine goldne Zeit
In Max dem König wieder.
Verherrlicht bleibe immerdar
Napoleon in Baiern,
Und Pflicht sey es, mit jedem Jahr
Das RettungsFest zu feyern.“

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