Ludwig II.

Bierflasche der Aktienbrauerei zum Löwenbräu (um 1890)

Beleg:

Götterdämmerung. König Ludwig II. und seine Zeit. Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2011, Schloss Herrenchiemsee, 14. Mai bis 16. Oktober 2011. Hrsg. von Peter Wolf, Richard Loibl und Evamaria Brockhoff, Augsburg 2011, S. 204.

Künstler, Ersteller / Fotograf: Löwenbräu; Fotograf: Philipp Mansmann, München
Lageort: München, Bayerisches Wirtschaftsarchiv (F 2)
Copyright: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg
Untertitel:

Glas, Bügelverschluss, H.31cm, Ø9cm, München, um 1890

Fotos
Technik

Am 17. Januar 1867 besuchte König Ludwig II. die Münchner Löwenbrauerei. Er ließ sich vom Besitzer Ludwig Brey (1821 – 1897) den Betrieb zeigen, trank mit dem Brauer ein Bier, überreichte ihm sein Bild mit dem königlichen Autogramm und spendete der 240 Mann starken Belegschaft eine größere Geldsumme.

Die Aufmerksamkeit des Königs auf das Brauwesen war wohlbegründet. Mit einer Jahresproduktion von etwa 100 000 Hektoliter Bier, wobei bereits ein Fünftel außerhalb der Stadtgrenzen Absatz fand, stand die Löwenbrauerei gleichauf mit der benachbarten Spatenbrauerei an der Spitze der zahlreichen Münchner Braustätten. 1872 erfolgte die Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von 4,2 Millionen Mark, das 1887 auf 5,4 Millionen Mark erhöht wurde. Der breite Kapitalzufluss ermöglichte die Umstellung des Betriebs von einer noch weitgehend handwerklich geprägten Braustätte zum industriellen Großbetrieb. Vor allem der gesteigerte Einsatz von Dampfkraft und die 1883 vollzogene Einführung der künstlichen Kühlung mit Linde-Eismaschinen (Kat.-Nr. 4.28) bewirkten eine rasante Aufwärtsentwicklung.

Mit einem Bierausstoß von über 500 000 Hektoliter rückte die „Aktienbrauerei zum Löwenbräu“ 1889 an die Spitze des bayerischen Braugewerbes. Mit fast 800 Beschäftigten und einer Produktion von über 850 000 Hektoliter im Braujahr 1911/12 zählte sie nun zu den führenden Brauereien Deutschlands. Schon ab 1886 wurde kontinuierlich die Hälfte des erzeugten Bieres außerhalb Münchens abgesetzt, weshalb das Unternehmen sich 1906 als „größte deutsche Exportbrauerei“ bezeichnen konnte. Die Masse des Gerstensafts erreichte den Verbraucher im traditionellen Holzfass. Im boomenden Versandgeschäft kamen ab 1885 verstärkt Glasflaschen zum Einsatz. Aufgrund seiner hervorragenden Haltbarkeit in pasteurisierter Form war Bier in Flaschenabfüllung für den Überseeversand, speziell in tropische Gebiete, bestens geeignet. Als Flaschenbier wurde „Löwenbräu“ im Kaiserreich zur Weltmarke, die auf allen Kontinenten konsumiert wurde und auf internationalen Ausstellungen höchste Auszeichnungen erhielt.

(Richard Winkler)

Literatur:

Behringer, Wolfgang: Löwenbräu. Von den Anfängen des Münchner Brauwesens bis zur Gegenwart, München 1991; Dihm, Hermann: Die Entwicklung der Aktienbrauerei zum Löwenbräu in München, Diss., Würzburg 1921; Schäder, Christian: Münchner Brauindustrie 1871 – 1945. Die wirtschaftsgeschichtliche Entwicklung eines Industriezweiges, Marburg 1999.

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