Maximilian II.

Beleuchtung Münchens anlässlich der Hochzeit der bayerischen Prinzessin Auguste Amalie mit dem Vizekönig von Italien (1806)

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Königlich Baierische Staats-Zeitung von München, Mittwoch, 15. Januar 1806

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„München, den 15. Jäner. Der gestrige war abermals einer der merkwürdigsten Tage in den Annalen unserer königl. Heldenstadt. Der wegen einer der glücklichsten Verbindungen sehnlichst erwartete, aber wegen der nahen Trennung von der liebenswürdigsten, von unser Nation, deren Stolz sie ist, so innigst angebeteten Prinzessin Augusta zärtlich gefürchtete Augenblick Ihrer hohen Vermählung mit dem Prinzen Eugen königl. Hoheit war angebrochen. Der ganze Tag war in festlichen Zubereitungen verflossen. Die bürgerlichen 4 Corps hatten sich mit ihren trefflichen Musikbanden an der königl. Residenz aufgestellt, und alle Zugänge der Residenz waren mit den kaiserl. Garden besetzt; als um 7 Uhr Abends das Geläute aller Glocken und der Donner der Kanonen den Anbeginn der großen, wichtigen Handlung verkündigte. Ihre k. k. Majestäten Napoleon und Josephine hatten sich nebst unsren königl. Majestäten mit dem hohen Brautpaare in die königl. Hofkapelle begeben. Hier verrichtete der Kurfürst Erzkanzler (kurf. Gn.) unter dem Beistande seiner Metropolitan- Geistlichkeit den hohen Trauungsakt. Ihre Majestäten die Kaiserin Josephine und unsere Königin hatten die königliche Braut, und Ihre MM. der Kaiser Napoleon und unser König den königlichen Bräutigam zu dem Altare begleitet. Die ganze Feierlichkeit ging mit einer Würde vor sich, die bis zur höchsten Rührung und Auferbauung begeisterte.

Indessen hatte die ganze Stadt ihre Beleuchtung veranstaltet. Es war diesmal der feurigste Ausdruck des Bayerischen Nationalgeistes, welcher dieses Fest zu verherrlichen strebte. Überall war die innigste Teilnahme an dem großen Ereignis des Tages, der in das neue, große Bündnis feierlichst einstimmende Gesamtwille der Nation und die zärtliche Liebe gegen das königl. Regentenhaus sichtbar. Baiern hat seit einem Jahrhundert nichts Aehnliches gesehen. Die Beleuchtung erreichte dieß Mahl einen seltenen Grad von Festlichkeit. Das nach einer herrlichen Zeichnung durchaus beleuchtete landschaftliche Gebäude mit seinen unübertrefflichen Transparenten und den prächtig decorierten 6 Rahmen N. I. M. C. E. A., welche im Brillantfeuer sich darstellten, das Rathhaus, das einem Feentempel glich, und unter den Rahmen A. und E. die gut gewählten Worte corona virtuti nebst künstlich erfundenen und schön gemahlten, allegorischen Gemählden in röthlichtem Grunde transparent enthielt, die Mauthhalle, das sehr schön beleuchtete neue Seminariumsgebäude, der weit in die Ferne strahlende St. Petersthurm, das bis in seine innersten Tiefen perspektivisch beleuchtete Seligmannische Gebäude, der Graf-Preysingische Palast, nebst dem gräfl. Tattenbachischen und Törringschen, die Gebäude des Paradeplatzes und der beiden Pranners-Gassen, worunter das Hilzlische Meubel-Magazin sich ausgezeichnete, viele Gebäude der HH. Weingastgeber und Kaufleute, alle 4 Haupttore der Stadt, die Hauptwache, und vor Allem der durchaus mit Lampenfeuer übergossene Kaiserhof der königl. Residenz, in dessen Mitte ein prächtig beleuchteter Obelisk hoch in die Luft strahlte, zogen die Bewunderung aller Fremden und Einwohner an sich. An dem Gebäude der königl. Akademie der Wissenschaften waren die passenden Inschriften zu lesen:

En nova progenies coleo demittitur alto.
Fortes creantur Fortibus.
Und:
Sequanam. et. Eridanunt. Isarae. iungunt.
Regales. Nuptiae
*) Eigene Beschreibungen versprechen wir den Einsendern im königl. Baier. Wochenblatte mitzuteilen.

Seit einigen Tagen hatten sich hier 3 Verordnete, von den Wittelsbacher Bauern zur Vermählungsfeierlichkeit eingefunden, welche von unserm König in altbaierisches Kostüm gekleidet, und bis zur heutigen Abreise verköstigt wurden. Sie hatten die Ehre, allen Feierlichkeiten beizuwohnen, und erneuerten durch ihre Anwesenheit das Andenken an den Ursprung des itzt regierenden königl. Hauses.“

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