Maximilian I. Joseph

Die Hochzeitsfeierlichkeiten in München vom Januar 1806 in der „Augsburgischen Ordinari Postzeitung“

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Augsburgische Ordinari Postzeitung, 17. Januar 1806

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Die Ereignisse am Hochzeitstag der bayerischen Prinzessin Auguste Amalie mit dem Adoptivsohn Napoleons und Vizekönigs von Italien, Eugène Beauharnais, am 14. Januar 1806 fasste die „Augsburgische Ordinari Postzeitung“ am 17. Januar noch einmal zusammen.

„München, den 15. Jan. Der gestrige Tag wird in den Annalen unserer Residenzstadt unvergesslich bleiben. Abends um 7 Uhr gieng die feyerliche Trauung unserer verehrten Prinzessin Augusta, königl. Hoheit, mit dem Prinzen Eugene, Vizekönig von Italien, vor sich. Die 4 bürgerlichen Corps hatten sich mit ihrer schönen Musik an der königl. Residenz aufgestellt, der Schall aller Glocken und der Kanonendonner verkündigten den Anfang der festlichen Handlung. Unser König und die Königin, von dem ganzen Hofstaat in höchster Galla begleitet, zogen, ihre reitzende Tochter in der Mitte, durch die kaiserl. Französischen und königl. Bairischen Garden und durch eine gedrängte Menge entzückter Baiern nach der Hofkapelle. Auf diese folgten Ihre kaiserl. Majestäten von Frankreich mit dem königl Prinzen Eugen. Der Kaiser war ganz spanisch gekleidet; der Prinz trug eine weisse Uniform. Der ganze Zug war unbeschreiblich prächtig. Die Kaiserin Josephine und unsere Königin führten die in Liebespracht strahlende Braut, der Kaiser Napoleon aber und König Max den Prinzen zum Altar, worauf Se. Kurfürstl. Gnaden, der Kurfürst Erzkanzler, die Trauung verrichtete, die alle Anwesende mit hoher freudiger Rührung erfüllte. Inzwischen wurde die ganze Stadt aufs herrlichste Beleuchtet. Seit undenklichen Zeiten sah man in München nichts Aehnliches. Geschmack war mit Pracht verbunden, und allgemeine Freude krönte den festlichen Tag. Seit einigen Tagen hatten sich 3 Wittelsbacher Bauern zur Vermählungsfeyerlichkeit eingefunden, die in altbairischer Tracht allen Feyerlichkeiten beywohnen durften. Ihre Anwesenheit erneuerte das Andenken an den Ursprung des jetzt regierenden königl. Hauses. – Nach herrlichen Zeichnungen waren ganz vorzüglich schön beleuchtet: Das landschaftliche Gebäude, das Rathhaus, welches einem Feentempel glich, die Mauthalle, das Seminarium, der St. Petersthurm, das Seligmannische Gebäude, die Palaste der Grafen von Preising, Tattenbach und Törring, die Häuser der Herren Kaufleute und Gastgeber ec. Der Kaiserhof der königl. Residenz schien mit Lampenfeuer ganz übergossen; aus der Mitte desselben erhob sich ein prächtig beleuchteter Obelisk, der die Bewunderung der Fremden und Einheimischen auf sich zog.“

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